Das Wunder von Mannheim – warum eigentlich?

Die Multihalle besteht aus zwei Schalen, die durch einen überdachten Steg verbunden sind. Die gesamte Konstruktion misst 160 × 115 m. Der höchste Kuppelpunkt befindet sich 20 m über dem Fußboden. Ihre maximale Querspannweite beträgt 60 m, in der Längsrichtung überspannt sie bis zu 85 m. Die Schalenkonstruktion besteht aus kreuzweise in zwei bzw. vier Lagen übereinander verlegten Latten aus kanadischer Hemlocktanne, in einem Abstand von 50 cm. Der Lattenquerschnitt beträgt 5,5 cm. Die Form wurde im Atelier Warmbronn mit Hilfe eines Hängemodells ermittelt und von Klaus Linkwitz fotogrammetrisch ausgewertet und in ein digitales Modell umgewandelt. Die komplexen Berechnungen führte dann Ted Happold bei Ove Arup in London durch. Die Überprüfung der Berechnungen zur Standsicherheit wurde mit wassergefüllten Mülltonnen, die an die Dachkonstruktion gehängt wurden, erbracht. Die erste Plane aus PVC-beschichtetem, geschwärztem Trevira-Gewebe wies recht schnell undichte Stellen auf und wurde 1981 durch eine weiße, deutlich haltbarere Plane ersetzt.

Die Multihalle ist bis heute die größte Holzgitterschalenkonstruktion der Welt. Sie gilt als Vorläufer der großen verglasten Kuppeltragwerke der Gegenwart.

Ort: Mannheim
Bauwerk: Multihalle
Baujahr: 1970–1975
Bauherr: Bundesgartenschau Mannheim GmbH
Entwerfer: Carlfried Mutschler, Joachim Langner, Dieter Wessa mit Winfried Langner
Beratung, Formfindung der Gitterschale: Atelier Warmbronn: Frei Otto und Ewald Bubner mit Matthias Ganz, Jean Goedert, Alf v. Lieven, Georgias Papakostas
Ingenieure der Gitterschale: Ove Arup & Partners, Structures 3, London: Edmund (Ted) Happold
Modellaufmaß und Zuschnitt: Institut für Anwendung der Geodäsie im Bauwesen, Klaus Linkwitz und Hans Dieter Preuss, Stuttgart, zusammen mit Lothar Gründig, Ulrich Hangleiter
Ausführung Gitterschale: Wilhelm Poppensieker GmbH, Löhne-Gohfeld